Das Loch in der Hose oder "das Knie braucht Luft, Mama"

Bei Kinderklamotten bin ich inzwischen recht pragmatisch. Die Zeiten, in denen ich sofort kleine Löcher gestopft habe oder für die Nachmittagsverabredung ein neues T-Shirt aus dem Schrank geholt habe, sind lange vorbei. Erstens weil ich gar nicht so viel Zeit habe, alles wieder zuzustopfen, was hier an Löchern anfällt und zweitens weil ich dann in der Waschküche den Mont Everest aus schmutzigen Kindershirts nachbauen könnte. Das wäre zwar ganz nett, aber das schlechte Gewissen, wenn die Waschmaschine nicht pausenlos läuft, würde mich irgendwann erschlagen.

Hosenknie sind nicht für fünfjährige Jungs gemacht


Quelle: Pixabay
Doch im Moment komme ich, trotz meiner, wie ich finde, recht entspannten Einstellung, an meine Grenzen. Denn mein Kind hat fast keine Hose mehr, die nicht ein Loch am Knie hat. Damit meine ich jetzt nicht die kleinen Löchleins. Sondern kapitale Öffnungen in denen eine Kinderhand verschwinden kann. Zwei bis drei solche Hosenöffnungen kommen pro Woche hinzu. Ich flicke das rechte Knie zu und zack ist am nächsten Tag das linke Knie freigelegt.

Ist es normal das fünfjährige Jungs sich mit Anlauf auf die Knie schmeißen und schauen, wer am weitesten rutschen kann? Ist es wirklich so, dass Wettkämpfe, wer den Hang im Garten des Kindergartens am besten runter segeln kann, zum Alltag dazugehören müssen? Können Jungs in diesem Alter wirklich nur Vollgas oder Zusammenbruch? Geht es immer, um weiter, schneller, höher?
Ich bin zumindest ratlos. Denn ich sehe es wirklich nicht ein, meinem Sohn jede Woche zwei bis drei neue Hosen zu kaufen.

Erziehungsmaßnahmen, die grandios scheitern


Also habe ich versucht, an seinen Verstand zu appellieren. Findest Du es schön, lauter kaputte Hosen zu haben?  - Stört mich nicht. Stört es Dich dann auch nicht, wenn Du überall Löcher hast? - Mama, das Knie braucht Luft. Aha!

Dann eben über schnöde Erpressung. Wenn wir neue Hosen kaufen müssen, musst Du die Hälfte von
Deinem Taschengeld hinzugeben. - Ok, ich habe noch 2,50. Tja, damit kommen wir also auch nicht weit und ganz ehrlich, wie viel Taschengeld hat ein Fünfjähriger? Eben, da können wir froh sein, wenn wir zu Weihnachten ein neues paar Jeans kaufen können.

So und nun bin ich wirklich ratlos und versuche einfach mein Schicksal hinzunehmen. Ich versuche mir einzureden, dass Hosen stopfen doch eine wunderbare Feierabend Beschäftigung ist und freue mich, wenn mein Kind doch mal mit zwei intakten Knien nach Hause kommt. Denn auf der anderen Seite, sollte doch eine Kindheit auch in gewissem Maß wild, stürmisch und wunderbar sein dürfen, oder? Und dann freue ich mich einfach mal, wenn ich ein verdrecktes, aber glückliches Kind aus dem Kindergarten abhole, das stolz erzählt heute am weitesten in die Matschgrube gesprungen zu sein. Das neue Loch am Knie, das beim Klettern auf einmal da war, ignoriere ich einfach.


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